Was schützt Ihre Tomatenpflanzen wirklich vor dem ToBRFV?
Ein an Erzeuger adressiertes Gespräch mit Jan Barten, F&E-Leiter Strategische Projekte bei Bayer.
Tomatenanbauer bekommen derzeit vielversprechende Behauptungen bezüglich ToBRFV-resistenten Unterlagen zu hören. Aber was sagen uns die Daten, und worauf sollten sich Erzeuger konzentrieren? Jan Barten hilft Erzeugern dabei, auf dem Markt kursierende Gerüchte von einer praktischen Anbaustrategie zu unterscheiden.
Warum sind Unterlagen ein so großes Thema in der Diskussion um ToBRFV geworden?
Jan: Erzeuger möchten Risiken minimieren, und die Vorstellung, dass beide Teile einer veredelten Pflanze resistent sind, kann beruhigend wirken. Wir müssen jedoch zwischen vermeintlichem Schutz und nachgewiesenem agronomischen Nutzen unterscheiden. Die entscheidende Frage ist nicht einfach nur, ob eine Unterlage eine Resistenz gegen das ToBRFV aufweist. Wichtiger ist, zu erkennen, welche Eigenschaften der Unterlage dazu beitragen, dass die Kulturpflanze während der gesamten Vegetationsperiode gute Erträge liefert.
Welche Rolle spielen Edelreis und Unterlage beim Schutz vor ToBRFV?
Jan: Aus dem Edelreis entstehen die Stängel, Blätter und Früchte. Dies ist auch der Bereich, in dem die ToBRFV-Symptome und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen am stärksten ins Gewicht fallen. Die Unterlage bildet das Wurzelsystem und sorgt für Vitalität, Balance, Wasser- und Nährstoffaufnahme, Resilienz und Ausdauer. Beide Komponenten sind wichtig, spielen jedoch unterschiedliche Rollen.
“Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse tragen die Unterlagen zur Widerstandskraft der Pflanzen bei, während das resistente Edelreis den primären Schutz vor dem ToBRFV bietet.“”
Kann das ToBRFV Pflanzen über die Wurzeln infizieren?
Jan: Mehrere wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema belegen, dass eine Infektion mit Tobamo über die Wurzeln unter normalen Anbaubedingungen ineffizient ist. Das Wurzelsystem von Tomatenpflanzen weist mehrere spezifische Barrieren auf, die eine Infektion mit Tobamoviren über die Wurzeln sehr unwahrscheinlich machen. Damit das ToBRFV die Wurzeln infizieren kann, muss es: 1. In Boden oder Substrat infektiös bleiben, 2. Eine offene Wunde an den Wurzeln erreichen, 3. Spezifische Abwehrmechanismen der Wurzel an der Wundstelle überwinden, 4. Sich replizieren, 5. Sich in andere Zellen ausbreiten, 6. Zugang zu den Xylem-Transportgeweben der Pflanze erhalten. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft scheint eine Infektion von der Wurzel zum Spross in kommerziellen geschützten Umgebungen kein primärer Infektionsweg zu sein (Literaturhinweise am Ende**).
Was hat die Forschung von Bayer gezeigt? *
Jan: In einer Studie, die unter kontrollierten Bedingungen an einem unabhängigen Institut durchgeführt wurde, wurden freiliegende Wurzeln in Steinwolleblöcken geschädigt und mit dem ToBRFV infiziert. Nach sechs Wochen wurde das Virus weder in den Blöcken noch in den oberen Teilen der Pflanze nachgewiesen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass unter den Testbedingungen nur eine sehr begrenzte Aufnahme stattfand und kein Transport von den Wurzeln in den Spross erfolgte. In weiteren Studien wurden verschiedene Resistenzstufen bei Edelreisern und Unterlagen in einer veredelten Kultur kombiniert. Beobachtungen der Symptome nach einer kontrollierten Blattinfektion mit ToBRFV deuten darauf hin, dass resistente Edelreiser deutlich geringere Blatt- und Fruchtsymptome aufwiesen, und zwar unabhängig davon, ob sie auf einen anfälligen oder resistenten Wurzelstock gepfropft wurden. Aus derselben Studie ging hervor, dass sich das ToBRFV nicht in anfälligen Unterlagen ansammelt, wenn das Edelreis resistent ist.
Für weitere Informationen zu dieser Studie siehe
Wenn die Wurzeln nicht der Hauptübertragungsweg sind, wie verbreitet sich das ToBRFV dann normalerweise?
Jan: Unter kommerziellen Anbaubedingungen ist der vorherrschende Infektionsweg die mechanische Übertragung über oberirdische Gewebe, beispielsweise bei Handhabung der Pflanzen. Bei Bodenpflanzen kann die Infektion durch Wasserspritzer auf die Blätter oder durch Kontakt oberirdischer Pflanzenteile mit dem Boden erfolgen. Deshalb sind Hygiene und Sanitärmaßnahmen nach wie vor unverzichtbar. Resistenz ist ein wichtiges Mittel, jedoch kein Ersatz für disziplinierte Gewächshaushygiene.
Brauchen Erzeuger darum unbedingt eine ToBRFV-resistente Unterlage?
Jan: Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Erkenntnisse** scheint die Resistenz des Edelreises der entscheidende Faktor für die Anti-ToBRFV-Leistung bei veredelten Pflanzen zu sein. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Resistenz der Unterlage allein möglicherweise nur begrenzten zusätzlichen Schutz bietet. Erzeuger sollten die Auswahl der Unterlage unter Berücksichtigung aller relevanten agronomischen Faktoren bewerten und sich dabei nicht nur auf ein einziges Resistenzmerkmal stützen.
Worauf also sollten Erzeuger bei einer Unterlage achten?
Jan: Wählen Sie die Unterlage entsprechend ihrer agronomischen Funktion aus. Achten Sie auf eine bewährte Kombination aus Vitalität, Ausdauer, Balance, Wurzelstärke, Stressbeständigkeit und Resistenzen gegen relevante bodenbürtige Krankheiten. Die Wahl der richtigen Unterlage hängt vom Edelreis, dem Anbausystem, der Kulturdauer, dem Klima und den örtlichen Anbaubedingungen ab.
Wie sieht die praktische ToBRFV-Strategie für einen Gewächshausbetreiber aus?
1. Beginnen Sie mit einem resistenten Edelreis
Das Edelreis ist der Hauptfaktor für Resistenz und Symptomexpression bei der veredelten Pflanze.
2. Achten Sie auf strenge Hygiene
Verringern Sie das Risiko von Einschleppung und mechanischer Ausbreitung durch konsequente Sanitär- und Pflanzenhandhabungsmaßnahmen.
3. Wählen Sie eine kräftige, ausdauernde Unterlage aus
Schaffen Sie eine solide Grundlage, die Balance, Resilienz und Leistungsfähigkeit Ihrer Pflanzen während der gesamten Vegetationsperiode unterstützt.
Was ist Ihre abschließende Botschaft an Erzeuger?
Jan: Lassen Sie sich bei der Wahl Ihrer Unterlage nicht von einem einzigen Faktor leiten. Konzentrieren Sie sich auf die Anbaustrategie im Ganzen. Die ToBRFV-Resistenz sollte darin stecken, wo sie am wichtigsten ist: im Edelreis. Schützen Sie das Gewächshaus durch strenge Hygienemaßnahmen. Wählen Sie dann eine Unterlage aus, die die Stärke, Balance und Ausdauer bietet, die Ihre Kulturpflanzen brauchen.
Note: ToBRFV research is an evolving field. The recommendations above reflect Bayer’s current understanding based on available evidence. Growers should stay informed of new developments and adapt their strategies accordingly. Local growing conditions, pathogen pressure, and regulatory requirements vary by region.
* Research results reported were obtained under specific experimental conditions, for details see: https://www.vegetables.bayer.com/gb/en-uk/knowledge-centre/vegetables-by-bayer-tobrfv-knowledge-centre/tobrfv-and-the-role-of-rootstock.html
RESISTENTES EDELREIS. STRENGE HYGIENE. KRÄFTIGE UNTERLAGE.
Kluge Planung. Starke Pflanzen. Erfolg beginnt bei den Wurzeln.
**LITERATUR
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Hinweis: Die ToBRFV-Forschung ist ein sich ständig weiterentwickelndes Gebiet. Die oben genannten Empfehlungen spiegeln den aktuellen Wissensstand von Bayer wider, der auf den verfügbaren Erkenntnissen basiert. Erzeuger sollten sich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten und ihre Strategien entsprechend anpassen. Die örtlichen Anbaubedingungen, der Krankheitsdruck und die gesetzlichen Vorschriften variieren je nach Region.
* Die vorgestellten Forschungsergebnisse wurden unter bestimmten Versuchsbedingungen erzielt; Details finden Sie hier.
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