Anbauen mit ToBRFV: Eine neue Realität #1

Frühzeitige Erkennung und Verfolgung des Eintrittspunkts des Virus

´Es ist wichtig vorbereitet zu sein und die Virusinfektion zu verstehen, um die Ausbreitung des Virus wirksam einzudämmen oder einen möglichen Krankheitsausbruch zu verhindern.´

Harmen Hummelen; Field Quality Lead

Das Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV) ist inzwischen so weit verbreitet, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann alle Produktionsstandorte weltweit erreichen wird. Wie einige Leute sagen, ist es nicht eine Frage des "ob", sondern des "wann". Als Anbauer ist es daher wichtig vorbereitet zu sein, um die Virusinfektion zu verstehen und ihre Ausbreitung oder einen möglichen Ausbruch zu managen.

ToBRFV-Infektionen, die nicht richtig behandelt werden, können große Auswirkungen auf die Pflanzenqualität und den Ertrag haben. Sie werden sich sicher an das erste Mal erinnern, als Sie Virussymptome an Ihren Pflanzen sahen. Hoffentlich erkennen Sie das Virus schnellstmöglich nach der Infektion. Dieser Artikel enthält einige nützliche Tipps und Vorschläge für die Früherkennung.

Erkennen im Gewächshaus
Eine frühe Infektion ist nicht leicht zu erkennen, was zum Teil daran liegt, dass die meisten Menschen die Krankheit und damit einhergehende Symptome noch nie gesehen haben. Einige allgemeine Richtlinien zur Unterstützung der Früherkennung von ToBRFV und ein erfahrener “Scout”, der die Pflanzen "lesen" kann, sind das wertvollste Hilfsmittel.

Einem guten Scout oder Anbauer fallen am ehesten die Pflanzen auf, die für die jeweilige Sorte oder Jahreszeit nicht "normal" erscheinen (z. B. Pflanzen mit einer leicht abweichenden Farbe oder Form). Diese Symptome stehen möglicherweise nicht in direktem Zusammenhang mit ToBRFV, da die Symptome oft wie Düngemangel oder andere Stressfaktoren aussehen können.

Eines der Symptome kann zum Beispiel sein, dass die Pflanzen etwas kürzer erscheinen, ohne dass es dafür einen klaren Grund gibt. Betroffene Pflanzen oder benachbarte Pflanzen können Früchte haben, die nicht auf normale Weise abreifen. Einige Früchte, insbesondere an der Spitze eines Fruchtstandes, reifen später oder ungleichmäßiger ab, möglicherweise gezeichnet durch Fleckigkeit. Vielleicht erscheint der obere Teil der Pflanze in einem blasseren Grün? All dies sind Symptome, die durch viele Faktoren verursacht werden können, aber auch auf ToBRFV hinweisen können.

Ein Problem ist, dass das Virus in manchen Fällen keine Symptome an der Pflanze verursacht und sich nur an den Früchten zeigt. Dies scheint vor allem bei älteren Kulturen der Fall zu sein bei denen kaum Symptome auftreten, das Virus jedoch vorhanden ist. Dadurch erhöht sich das Risiko,  eine verpasste Infektion auf den nächsten Erntezyklus zu übertragen.

Es ist daher sehr wichtig, wenn etwas nicht normal aussieht oder sich nicht normal anfühlt, über die Ursachen nachzudenken und diese noch einmal genauer zu prüfen. Der letzte Schritt zur Identifizierung von ToBRFV ist die Durchführung eines Diagnosetests.

ToBRFV infection ToBRFV-infected tomato leaves on left and healthy leaves on right (cf Kai-Shu Ling, USDA-ARS) Yellowing, bubbling, mosaic and mottling, fern narrowing are all symptoms of ToBRFV on leaves.

Eine gute und einfache Methode das Vorhandensein von ToBRFV zu testen, ist die Entnahme von Proben aus dem Kelch der Frucht

Leonie Hogendonk; Market Development Protected Lead

Testung
Ein Labortest oder Schnelltest kann Hinweise auf eine Infektion liefern. In beiden Fällen ist darauf zu achten, dass mehrere Pflanzenteile, z. B. der Kelch und die aktiv wachsenden Triebe, in einer einzigen Probe gesammelt werden, da das Virus möglicherweise nicht in allen Teilen der Pflanze vorhanden ist. Sollte die erste Probe die visuelle Diagnose nicht bestätigen, zögern Sie nicht, eine weitere Probe von einer zweiten Pflanze zu entnehmen oder mehrere Pflanzen in einer Probe zu kombinieren. https://research.wur.nl/en/publications/detection-of-tomato-brown-rugose-fruit-virus-is-influenced-by-inf

Die Wasserrücklauf-Diagnose ist ebenfalls eine gute Möglichkeit eine Infektion frühzeitig zu erkennen. Züchter in Belgien haben dieses Wasser mit Hilfe von Laboranalysen getestet und in einigen Fällen konnte eine Virusinfektion bis zu 10 Wochen vor dem Auftreten von visuellen Symptomen festgestellt werden.

Seien Sie vorsichtig mit Tests zu Beginn der Saison nach einer früheren Infektion, da es möglich ist Virus-RNA aus der letzten Saison nachzuweisen. Wenn jedoch das Auftreten des Virus zunimmt, scheint es eindeutig, dass sich das Virus in den Pflanzen vermehrt.

Der Nachweis des Virus sollte auf einen bestimmten Block oder Abschnitt des Gewächshauses eingegrenzt werden. Eine solche frühzeitige Erkennung ermöglicht es Ihnen, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen und so die Ausbreitung des Virus im Gewächshaus oder in der Gärtnerei zu verringern.

ToBRFV infection Diagram to show the progress of the spread of mosaic (in black) through a medium young tomato plant. Based on test of Dwarf Champion tomato plants about 15 in. gigh,growing in 6 in. pots in an unbeated greenhouse. Inoculated leaflet shaded.

Abbildung 1. Das Virus ist nicht gleichmäßig über die ganze Pflanze verteilt. Ein Virus dringt an einer Stelle in die Pflanze ein und wandert dann mit dem Phloem zu den Wurzeln. Fast gleichzeitig wandert es auch in die junge, aktiv wachsende Spitze der Pflanze. Es kann einige Zeit dauern, bis der Rest der Pflanze infiziert ist.

The movement of Tobacco Mosaic Virus within the plant. G. Samuel 1934: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1744-7348.1934.tb06891.x

Der Weg des Virus in das Gewächshaus
Wenn die ersten Pflanzen entdeckt werden, stellt sich die Frage: "Warum hat die Infektion an dieser Stelle begonnen?" In der Praxis ist es nicht immer möglich dies zu klären. Das Virus ist unsichtbar und selbst bei guten Präventions- und Hygienemaßnahmen können zu einem bestimmten Zeitpunkt geringe Mengen eingeschleppt werden. Der Ort, an dem das Virus symptomatisch auftritt, muss nicht unbedingt der Eintrittspunkt sein.

Das Virus kann über Menschen, Material oder Tiere übertragen werden. Derzeit ist nicht bekannt wie lange es dauert, bis das Virus vom Vektor (dem Virusträger) auf die Kultur übertragen wird. Die Übertragung kann zwischen 10 Minuten und einem Tag oder mehr dauern. Dies bedeutet, dass das Virus mitten im Gewächshaus zum ersten Mal auftauchen kann, selbst wenn es anderswo eingeschleppt wurde. Das Virus benötigt außerdem eine Pflanze, die anfällig genug ist, um eine Infektion zu ermöglichen.

All diese unbekannten Faktoren machen es schwierig, den ursprünglichen Einschleppungsort zu ermitteln. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, von Anfang an und während der Wachstumsperiode ein hohes Maß an Gewächshaus- und Kulturhygiene zu gewährleisten.

Rückverfolgung vom Zeitpunkt der Infektion
In einigen Versuchen zeigen sich Virussymptome bei jungen Pflanzen bereits nach 10 Tagen. Bei älteren Pflanzen ist es jedoch möglich, dass monatelang oder sogar bis zum Ende des Anbaus keine eindeutigen Symptome auftreten. Daher ist es eine große Herausforderung, diese erste Pflanze zu detektieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die erste infizierte Pflanze eine der benachbarten Pflanzen ist. Bis ein Scout Symptome entdeckt, können bereits 10-20 Pflanzen infiziert sein.

Ein gutes Scouting, um das Virus so früh wie möglich zu entdecken und eine gute Hygiene, um die Ausbreitung des Virus zu reduzieren, sind der Schlüssel zur Reduzierung des Infektionsdrucks, um möglichst viele Pflanzen bis zum Ende des Erntezyklus gesund zu halten.

Folgeartikel #2: Virusprävention nach der Entdeckung wird in Kürze veröffentlicht

 

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